Die lebende Holzbiomasse im schwedischen Wald, geschützte Gebiete ausgenommen. Quelle: Riksskogstaxeringen.

Holz wird als Brennstoff und Baumaterial genutzt, aber auch für Papier, Verpackungsmaterial, Textilien und vieles anderes mehr. Die Forschung versucht ständig, neue Verwendungszwecke für Holz zu finden. Politik und Wirtschaft bejubeln die sog. neue Bioökonomie, die die alte erdölbasierte Wirtschaft ablösen soll. Aber reichen die Waldressourcen aus, um fossile Energieträger zu ersetzen? Wir sollten uns auch die Frage stellen, ob die Forstressourcen im Hinblick auf die ökologischen Belastungsgrenzen vernünftig genutzt werden. Zunächst einmal wollen wir die heutige Nutzung des schwedischen Waldes betrachten.

Zuwachs und Ernte

In der Tabelle sind unter Angabe der jeweiligen Quelle (gelb markierte Zellen) Zahlen zum Zuwachs und zur Ernte zusammengestellt. Geerntet werden ungefähr 76 Millionen Tonnen (97–16.3–4.8) Das entspricht gut 75 % des Zuwachses, allerdings verbleibt ein beträchtlicher Teil (z. B. Äste und Stöcke) im Wald. Die verbleibende Menge variiert stark von Schlag zu Schlag (s. Kapitel Mythos 1 für ein Foto eines „geputzten“ Kahlschlags).
Die Menge, die als Faser- und/oder Energieholz genutzt wird, berechnet sich wie folgt: D = A – B – C – E. So lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass ungefähr 65 % zu kurzlebigen Erzeugnissen werden. Ermittelt man nur, welcher Teil des Einschlags kurzlebig wird, kommt man auf 84 % (D/(C+D) * 100). Es ist zu beachten, dass sich die Berechnungen auf Zahlen aus einigen Jahren der 2010er Jahren gründen und keine endgültige Antworten für andere Jahre liefern.

    Stammvolumen Trockengewicht1 CO2-Äquivalent Zuwachs Produktion
    (Millionen m3) (Millionen t) (Millionen t) % %
A Zuwachs 1282 96.8 177.1 100  
B Totholz 6.3 4.83 8.8 5  
C Schnittholz 16.04 12.1 22.1 13 16
D Faser/Energie 84.1 63.6 116.3 65 84
E Lebende Bäume 21.6 16.35 29.8 17  
    1. Ein Stammvolumen von 1 m3 entspricht ungefähr 0,756 t trockener Biomasse (Quelle: Riksskogstaxeringen).
    2. Die Baumstämme wachsen um ungefähr 128 Millionen m3 pro Jahr (2011–2015), was 97 Millionen t trockener Biomasse1 entspricht, wenn Stöcke, Äste und Wipfel mitberücksichtigt werden (Quelle: Riksskogstaxeringen).
    3. Aus natürlichen Gründen und als Folge forstwirtschaftlicher Maßnahmen wächst die Totholzmenge in den Wäldern ungefähr um 4,8 Millionen t pro Jahr.
    4. Es werden 16 Millionen m3 Schnittholz aus Nadelbäumen produziert (2013, gemäß Jahrbuch des Schwedischen Zentralamts für Forstwirtschaft, Kap. 10); das entspricht 6,4 Millionen t Trockenbiomasse, der Mittelwert über einen längeren Zeitraum liegt bei 4,4 Millionen t (Schwedisches Amt für Umweltschutz). Schnittholz hat eine Dichte von ungefähr 400 kg/m3.
    5. Die lebende oberirdische Holzbiomasse plus Stöcke wächst um ungefähr 16,3 Millionen t Trockenbiomasse pro Jahr (s. Abb.).

Kohlenstoffbilanz

Wie beeinflussen Wald und Forstwirtschaft die Kohlenstoffbilanz? Wenn 1 Tonne trockenes Holz verbrannt wird, werden ungefähr 1,83 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt (bei der Photosynthese verhält es sich umgekehrt), also speichert der Wald jedes Jahr 177 Millionen Tonnen Kohlendioxid.
Wir gehen (relativ optimistisch) davon aus, dass Schnittholzerzeugnisse für immer aus dem Kohlenstoffkreislauf entfernt sind, aber (etwas pessimistisch) davon, dass der Kohlenstoff der Papier- und Zellstofferzeugnisse der Atmosphäre unmittelbar zugeführt wird. Die dauerhafte Speicherung pro Jahr beläuft sich auf ungefähr 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid in Bäumen, 9 Millionen Tonnen Kohlendioxid in Totholz und 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid in Holzerzeugnissen. Der Rest, nämlich 116 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr, wird durch Biobrennstoffe sowie Papier- und Zellstofferzeugnisse (oder während des Verbleibs im Wald) freigesetzt. Das bedeutet, dass die Kohlendioxidemission aufgrund der Forstwirtschaft und deren Erzeugnisse fast doppelt so hoch ist, wie die Emissionen aller anderen Wirtschaftssektoren zusammen. Die Emissionen, die von Holzerzeugnissen ausgehen, werden freilich durch den Zuwachs im Wald kompensiert. Aber unter dem Gesichtspunkt der Klimaproblematik ist es fraglich, ob so viel Waldkohlenstoff freigesetzt werden sollte. Das Schwedische Amt für Umweltschutz, das die Zahlen über die Kohlendioxidemissionen zusammenstellt, bezieht also die von der Forstwirtschaft ausgehenden Emissionen nicht ein, sondern rechnet diese gegen den Zuwachs im Wald auf. Das macht es schwer, sich ein Bild von der Größenordnung zu machen. Komplizierend kommt hinzu, dass viele Holzerzeugnisse exportiert werden und dass einige auf Deponien gelangen und insofern nicht sofort zu den Kohlendioxidemissionen beitragen. Gleichzeitig importiert (!) Schweden Biokraftstoffe und Hausmüll, um sie zum Beispiel in Fernwärmeanlagen zu verbrennen.

Energiebilanz

In Schweden verbrauchen die Faserholz- und Papierwirtschaft sowie die Holzwirtschaft gut 50 % der Energie der Mineral- und verarbeitenden Industrie (81,5 von insgesamt 155,2 TWh). Im Jahr 2014 wurden in Schweden laut der Schwedischen Energieverwaltung 23 % des Energieverbrauchs über Biobrennstoffe gedeckt (130 TWh von insgesamt 555 TWh). Von den in Schweden genutzten Biobrennstoffen stammen 90 % aus dem Forstsektor. Der übrige Bedarf an Biobrennstoffen wird unter anderem über organischen Hausmüll sowie über pflanzliche und tierische Öle und Fette gedeckt. Die gesamte Energieerzeugung aus Waldbiomasse beläuft sich also auf 117 TWh, und wir können die Schlussfolgerung ziehen, dass die Nettoenergieerzeugung von Seiten der Forstwirtschaft 35,5 TWh beträgt (6,5 % der gesamten Energie). Dies entspricht einem ausgesprochen niedrigen Erntefaktor (Energy Return on Investment, EROI) von 1,43. Zum Vergleich: Würde man Holz nur zur Pelletherstellung ernten, läge der Faktor bei rund 20. Als Energieerzeugerin ist die Forstwirtschaft also äußerst ineffizient, was daran liegt, dass die Papier- und Zellstoffherstellung sehr energieintensiv ist.

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