Gemäß Forstindustrie ist eine vermehrte Nutzung von Holz vorteilhaft, da Holz weniger energieintensiv ist als Materialien wie Beton. Die Branche verweist zum Beispiel auf eine Modellierungsstudie, die einen Substitutionseffekt glaubhaft machen will. Allerdings basieren die in dieser Studie verglichenen Szenarien auf der Business-as-usual-Perspektive, dass der Verbrauch von Papierprodukten und ähnlichen Erzeugnissen unverändert bleibt. Selbstverständlich ist es umweltfreundlicher, Güter nicht herzustellen, als sie aus Holz herzustellen. Außerdem ist die These, dass es klimagünstig ist, Beton durch Holz zu ersetzen, kontrovers: Der Klimavorteil durch das Bauen mit Holz statt mit Beton ist marginal. In dem Fall wäre anderen Faktoren wie der biologischen Vielfalt größeres Gewicht beizumessen – einmal abgesehen davon, dass die ökologischen Grenzen bei allen menschlichen Aktivitäten eingehalten werden müssen.

Man kann leicht glauben, dass automatisch Umweltnutzen entsteht, wenn ein Prozess material- und energieeffizienter gestaltet wird. Aber gemäß Jevons’ Paradoxon steigt der Gesamteinsatz von Ressourcen und Energie oft trotz Effizienzsteigerung, weil das Material und die Energie, die „gewonnen“ wurden, für andere Zwecke genutzt werden. Im Rahmen einer Modellierungsstudie wurde festgestellt, dass das Verhältnis zwischen BNP und Kohlendioxidausstoß als Folge von Maßnahmen zur Energieeffektivisierung oft sogar sinkt, dass also mehr Kohlendioxid pro Währungseinheit freigesetzt wird. Zu ähnlichen Schlüssen kam man auch im Rahmen einer Analyse historischer Daten aus den USA und Europa. Wir müssen einen Weg finden, Jevons’ Paradoxon zu überlisten, und verhindern, dass Effizienzsteigerungen von Verbrauchszunahmen „aufgefressen“ werden. Das gilt natürlich auch für das Wohnungswesen. Der Bauboom, den Schweden derzeit (in den 2010er Jahren) erlebt, ist zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass die Menschen von ländlichen Gebieten in die Städte ziehen. Wir müssen hinterfragen, ob es unter dem Aspekt des Klima- und Umweltschutzes wirklich vernünftig ist, hier vorhandenen Wohnraum zugunsten von dort neu zu bauendem aufzugeben.

Laut Jevons’ Paradoxon (das von empirischen Daten untermauert wird) hat die Zahl der Bautätigkeiten mit Holz wahrscheinlich kaum Auswirkung auf die Zahl derer mit Beton, steigt die Gesamtzahl an Bauvorhaben also vermutlich noch weiter – und mit ihr die negativen Auswirkungen auf Klima und Umwelt. Ebenso wahrscheinlich ist, dass die Verwendung von Biobrennstoffen steigt, ohne dass die Nutzung fossiler Energieträger sinkt – dass also der Gesamtenergieverbrauch steigt, wenn die Gesellschaft Zugang zu weiteren Energiequellen bekommt.

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